1948-1988

40 Jahre RIAS-Tanzorchester

(Auszug aus „RIAS Berlin – Eine Radio-Station in einer geteilten Stadt“,  von Prof. Herbert Kundler)

Von Werner Müller bis Horst Jankowski – vier Jahrzehnte RIAS-Tanzorchester (RTO) auf Radiowellen, Bühne und Bildschirm, Konzerte und Produktionen mit Stars aus aller Welt, Entertainment der Spitzenklasse vom Swing bis zur Popmusik unserer Tage. Das RTO, das sich schon bei seinen ersten öffentlichen Auftritten in die Herzen der Berliner spielte, hat in den schwersten Jahren der Stadt entscheidend dazu beigetragen, dass Berlin ein Platz des Show-Business blieb. Seither hat das RTO in den vielen großen Fernseh-Koproduktionen mit ARD und ZDF als ein musikalischer Botschafter Berlins und des RIAS gute Laune und Lebensfreude von der Spree vermittelt.

1948 hat der RIAS sich nach den ersten Anfängen als „Drahtfunk“ (DIAS) zu einer expandierenden Rundfunkstation entwickelt. Das RIAS-Symphonieorchester befindet sich im Aufbau, der RIAS-Kammerchor ist gegründet, doch noch fehlt ein Tanz- und Unterhaltungsorchester.

Die Programmdirektorin Dr. Ruth Gambke wird durch die in der Unterhaltungsszene der Viersektorenstadt gut bewanderte RIAS-Regisseurin Inge Siegel auf einen jungen Musiker namens Werner Müller aufmerksam gemacht, der im Orchester Kurt Widmann Posaune spielt.

Auf den Spuren Glenn Millers 

Er wird mit der Aufgabe betraut, eine Band ins Leben zu rufen, die neben dem heimischen Repertoire auf den Spuren Glenn Millers dem im Nachkriegsdeutschland so rasch populär gewordenen „Swing“ spielen soll. Die Programmdirektorin hat in dem amerikanischen Program Officer Harry Froman einen verständnisvollen Bundesgenossen, war Froman doch vor seiner Emigration Mitglied der berühmten Gruppe Comedian Harmonists.

Auch der amerikanische RIAS-Director Fred G. Taylor gibt der Neugründung seinen Segen. Das offizielle Gründungsdatum ist der 1.11.1948. Taylor ist in den Berliner Künstlerkreisen jener Jahre eine bekannte und beliebte Erscheinung; der Diplomat ist Mitglied internationaler magischer Zirkel und beherrscht die unglaublichsten Zaubertricks. Seine Mitarbeiter weiß er durch eine freundliche Souveränität zu motivieren.

Beim Aufbau des neuen Orchesters und seines Sounds wird hart und professionell gearbeitet, aber eine Atmosphäre der guten Laune und freudigen Zuversicht prägt von vornherein das Klima. 

Beginn einer Blitzkarriere 

Am 24. April 1949 findet – während der Blockade Berlins – das erste öffentliche Konzert statt. Es ist der Startschuss einer Blitzkarriere. Werner Müller und das RIAS-Tanzorchester (RTO) – sie werden über Nacht bekannt und populär. Dazu trägt ein Gesangsduo bei, das einen speziellen Berliner Touch hat: Bully Buhlan und Rita Paul. Mit vielen anderen Solisten ist das RTO ein Kassenmagnet mit einer Serie von Erfolgskonzerten in der Waldbühne und im Sportpalast genauso wie in den öffentlichen Auftritten „Schlager der Woche“ in den Berliner Bezirken.

In einem Glückwunsch zum 10jährigen Bestehen des RTO heißt es damals:

„Du hast es in diesen zehn Jahren auf 2.700 Aufnahmen gebracht. Du hast viele Filme schwungvoll musikalisch begleitet und bist seit 1950 immer wieder auf Tourneen gegangen, durch die Städte West-Deutschlands, nach Holland, Österreich, in die Schweiz und nach Dänemark. Und vor kurzem hat Dich Dein erfolgreicher Weg sogar bis nach Japan geführt. Wir wollen uns auch erinnern, wie vor Jahren Deine klingende Offerte durch den Äther ging:  ̉Hab’n Se nich‘ ˊne Braut für mich?! ̉ Denn was für eine begehrte Partie Du geworden warst, das zeigte sich schon daran, dass sich gleich viele nette junge Damen um eine dauerhafte Verbindung mit Dir bemühten: Rita Paul, Gitta Lind und Illo Schieder, und schließlich Caterina Valente. Für sie speziell hattest Du Deine Geigen derartig auf Hochglanz gebracht, dass sie bis über den Ozean hinüber strahlten und Dir mit  ̉Malageña ̉ und  ̉The Breeze and I ̉ einen bewundernswerten Erfolg einbrachten – als erstem europäischen Tanzorchester überhaupt! Die Amerikaner gaben Deinem glänzenden Streichersound den schmeichelhaften Namen  ̉a million strings ̉. Und weil Deine besondere Vorliebe dem lateinischen Rhythmus gilt und seine vielen bunten Farben in konzertanter Perfektion auf Deiner klingenden Palette leuchten, bist Du auch von den Brasilianern mit dem Goldenen Schallplatten-Oscar dekoriert worden. Aber sicher hat es Dir auch viel Freude gemacht, in Deiner Heimatstadt immer wieder zu erleben, wie gerne man Dich hat … auf den heiteren Festen des Presseballs, des Zinnobers und auf dem Kreuzberg zur Heimatwoche, als in den anliegenden Straßen Tausende vergnügter Menschen nach Deiner Musik tanzten.“

Zum Erfolgsrezept gehört das Zusammenspiel mit erstklassigen Solisten internationalen Ranges, wie dem Trompeter Horst Fischer, dem Klarinettisten Rolf Kühn, dem schwedischen Posaunisten Åke Persson, oder dem Pianisten Eugen Cicero. Sie alle gehörten jahrelang dem RTO an; ihnen folgten der amerikanische Posaunist und Arrangeur Barry Ross und der britische Trompeter Gregory Bowen. Aber auch die langjährigen Solisten wie Schlagzeuger Heinz Niemeyer, Altsaxophonist Klaus Marmulla und der Pianist Kai Rautenberg sind über die Fachbranche hinaus wohlbekannt.

Von Werner Müller zu Horst Jankowski

Im Frühjahr 1966 verlässt Werner Müller Berlin und das RTO, um zum WDR nach Köln zu gehen. Sein Nachfolger wird der Amerikaner Dave Hildinger, ein perfekter Musiker, der aber nicht auf Dauer als Band-Leader arbeiten will. Helmuth Brandenburg, unter dem Pseudonym Kookie Freeman ein international erfolgreicher Arrangeur, übernimmt 1970 die Leitung des RTO, das sich auf die neuen elektronischen Produktionstechniken umstellt und Beat und Elemente des Rock in sein Repertoire mit einbezieht. 

Siegeszug auf dem Bildschirm

Das RTO wirkte Dank der Initiative des Hamburger Unterhaltungschefs Henri Regnier in Koproduktionen von NDR und RIAS an den ersten großen Unterhaltungs-Fernsehabenden des Deutschen Fernsehens mit; Harald Juhnke und Chariklia Baxevanos führten durch die Sendungen. Dann war es Peter Gerlach, der Unterhaltungschef des ZDF, der das RTO auf den Bildschirm brachte: in der Peter-Frankenfeld-Show, später mit Harald Juhnke in „Musik ist Trumpf“ und in einer Fülle weiterer Sendungen bis hin zur Silvester-Show und der „Glücksspirale“. Auch bei der Zwanziger-Jahre-Revue zum 750jährigen Bestehen Berlins begleitete das RTO unter der Siegessäule am Großen Stern die Gesangsstars und Tanzgruppen.

Nach fünf Jahren vielseitiger Arbeit mit faszinierenden Studioproduktionen übergibt Helmuth Brandenburg die Leitung des RTO an Horst Jankowski. Er selbst konzentriert sich auf Einspielungen mit einer instrumentalen Formation, die sich aus Tanzorchester und Gastmusikern zusammensetzt und ein modernes U-Repertoire produziert das in zahlreichen LPs auf dem internationalen Markt reüssiert.

Die Ära Horst Jankowski

Seit Anfang 1975 – beim Berliner Presseball im Palais am Funkturm – ist Horst Jankowski Dirigent des RTO. Seit dieser Zeit zeichnet sich ein erneuter und stetiger Aufstieg des Orchesters in allen Massenmedien ab. Viele Berliner haben ihn in den zurückliegenden Jahren live kennengelernt: vor dem Reichstag bei „Mit RIAS in die Ferien“ und beim „Fest der Generationen“, bei den Berliner Bällen und bei den Gartenfesten der Bundespräsidenten in Berlin, bei der Erfolgsserie „Zu Gast bei Horst Jankowski“, anlässlich der Internationalen Funkausstellungen und der RIAS-Großveranstaltungen in der Deutschlandhalle. Horst Jankowski hat bei der jährlichen RIAS-Parade eine Vielzahl von Künstlern vorgestellt und musikalisch begleitet.

Erster Producer des RTO war Ernst Verch. Ihm folgte der Berliner Komponist Klaus Wüsthoff. Von Dezember 1955 bis Dezember 1987 war Rüdiger Piesker der dynamische, ideenreiche Chefproducer, unterstützt von Tonmeister Peter Thiele.

Ein außerordentliches Producer-Talent

Wer sich die Fülle der Fernsehauftritte, der Reisen und Mitwirkung in öffentlichen Veranstaltungen von „Jugend trainiert für Olympia“ bis zum „Filmfest“ vor Augen führt, aber auch die fast unübersehbare Zahl der Gesangsinterpreten aus dem In- und Ausland, begreift, dass dem RIAS und dem RTO in Rüdiger Piesker ein außerordentliches Producer-Talent zur Verfügung stand. Es ist nicht leicht für seinen Nachfolger, Gerd Schmitz, an eine solche Erfolgskarriere anzuknüpfen.

Auch die Technik zählt 

Mehr denn je zählt die Technik in der Musikproduktion. Toningenieur Gert Bazin und seine Kollegen stehen als Sound-Zauberer auf so manchem Platten-Cover der RTO-Produktionen. Immer wieder haben die Verantwortlichen für die Studiotechnik, über viele Jahre Gerhard Neumann und Klaus Kiehn, ihren Ehrgeiz darein gesetzt, mit dem rapiden Fortschritt moderner Aufnahmetechniken Schritt zu halten.

40 Jahre RTO – das ist eine Teamleistung. Sie schließt die jahrzehntelang aktive Produktionssekretärin Ilse Nagel ebenso ein wie den Orchestervorstand, die Musiker, die Dirigenten, die Tonmeister, Toningenieure, Cutterinnen, den Veranstaltungsdienst mit den unermüdlichen Helfern Hans Bähnemann und Kurt Mühlmann, die Producer und … ein Team eben in einem Rundfunkhaus in dem jeder das Seine dazugibt.

Prof. Herbert Kundler (*05.11.1926 – †19.10.2004)

von 1961 – 1986 Programmdirektor des RIAS Berlin

1988 – 12. Mai 2009

 Von Horst Jankowski bis Bob Lanese

Reine Jazzkonzerte unter dem Dirigat von Horst Jankowski waren selten. Im Spätabendprogramm des ZDF lief von 1987-1991 eine monatliche Musiksendung die sich an den geneigten Jazzliebhaber wandte: „Der ZDF-Jazzclub“. Im Rahmen dieser Sendung entwickelte sich ein neues Format mit dem Titel „Swing & Talk“. Das RIAS-Tanzorchester unter der Leitung von Horst Jankowski spielte live (!) mit nationalen und internationalen Stars in den Studios der Berliner Union Film und zwischendurch wurde munter mit Gästen aus Kultur und Politik geplaudert. Die Gespräche führten neben Jankowski u. a. die Moderatorinnen Petra Schürmann, Elke Kast, Sibylle Nicolai, oder Sängerin Ingrid Peters. „Swing & Talk“ wurde aufgrund des Erfolgs eine eigenständige Sendung, brachte es bis 1993 auf 18 Ausgaben, die später bei 3sat am Stück oder in Zusammenschnitten wiederholt wurden. 

Das Orchester hatte mit dem aus Las Vegas stammenden Posaunisten Barry Ross einen hervorragenden Arrangeur in den eigenen Reihen, der gegen Ende der Jankowski-Ära für eine zunehmende Anzahl von Jazzkonzerten verantwortlich war.

Mit Zusammenlegung von RIAS Berlin, dem Deutschlandfunk Köln und Deutschlandsender Kultur zum nationalen Deutschlandradio änderte sich zum 1. Januar 1994 auch die Situation des RIAS-Tanzorchesters. Man war gezwungen das heimatliche Studio 7 im Funkhaus am Hans-Rosenthal-Platz zu verlassen. Das Ensemble wurde gemeinsam mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin (bis 1956 RIAS-Symphonie Orchester), dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem RIAS Kammerchor und dem Rundfunkchor Berlin in die Rundfunk-Orchester und –Chöre GmbH (ROC) eingebunden. Nach dem notwendigen Auszug aus dem RIAS, konnten 1994 angemessene Proben- und Aufnahmeräume beim Sender Freies Berlin (SFB, dem heutigen rbb) bezogen werden.

Als zu Beginn des Jahres 1995 die Stelle des Chefdirigenten neu besetzt werden musste, favorisierten die Musiker den Posaunisten Jiggs Whigham auch deswegen, weil mit ihm ein größerer Jazzanteil in der täglichen Arbeit zu erwarten war. Seine Biographie steht für Glaubwürdigkeit in Sachen Jazz: Schon im Alter von 17 Jahren wurde er Mitglied im Glenn Miller Orchestra, dass zu der Zeit von Ray McKinley geleitet wurde. Anschließend spielte er in der Band von Stan Kenton, ließ sich dann als Studiomusiker in New York nieder und ging 1965 nach Köln, wo er Soloposaunist im Orchester von Kurt Edelhagen wurde.

Zu Jahresbeginn 1995 wurde das RIAS-Tanzorchester in RIAS Big Band umbenannt und kann von sich in Anspruch nehmen, in den Augen der Öffentlichkeit einen großen Sprung nach vorne gemacht zu haben. Jiggs Whigham gelang ein künstlerischer Neuanfang.

1998, zum 50jährigen Bestehen der Band, konzertierte das Orchester im Februar mit der BBC Big Band im Rahmen einer erfolgreichen Tournee u. a. im Dresdner Kulturpalast und im Leipziger Gewandhaus. Für den Juni stand eine Einladung zum renommierten „Jazz Baltica“-Festival auf dem Programm, im September beschloss die RIAS Big Band das deutsche Kulturprogramm für die EXPO in Lissabon mit einem großen Konzert und im Herbst tourte das Orchester in England und Deutschland.

Im Mai 1999 gab es die ersten Berichte in der Presse, wonach die Rundfunk-Orchester und –Chöre GmbH (ROC) in finanziellen Schwierigkeiten steckt und man an eine Auflösung der RIAS Big Band nachdenkt. Ein Schwebezustand der die nächsten zwei Jahre anhalten sollte. Seinen Vertrag, der Ende August 2000 auslief, wollte Jiggs Whigham nicht verlängern. Persönliche Gründe bewegten ihn zu der Entscheidung, auch wollte er sich wieder mehr seiner Karriere als Solist widmen. Als Gastdirigent stehe er aber noch zur Verfügung.

Die RIAS Big Band arbeitete von nun an mit Gastdirigenten, vornehmlich mit Jörg-Achim Keller (Komponist, Arrangeur und Schlagzeuger), aber auch mit dem Pianisten Thilo Wolf, mit Peter Herbolzheimer, Max Greger und Chris Walden, dem Saxophonisten Norbert Nagel, Schlagzeuger Holger Nell, den Posaunisten Joe Gallardo und Ed Partyka und vielen anderen.

Das letzte öffentliche Konzert der RIAS Big Band fand am 12. Mai 2009 aus Anlass des 60. Jahrestages der Beendigung der Berliner Blockade in Halle B des Flughafen Tempelhof statt. Die musikalische Leitung übernahm der amerikanische Trompeter Bob Lanese.

Das  RIAS-Tanzorchester/die RIAS Big Band wirkte seit jeher auch als Talentschmiede. Internationale Karrieren begannen hier, oder wurden fortgesetzt.

Trompeter Macky Kasper war von Anfang an dabei. Er entwickelte sich zum Starsolist der Band und erwarb sich den Ruf des „hottesten Trompeters“. Zeitweise galt er als der deutsche Harry James.

Der Saxophonist und Klarinettist Rolf Kühn war Ende der 40er Jahre Solist im Orchester von Kurt Henkels in Leipzig. 1950 kam er nach Berlin zum RIAS. Sechs Jahre später ging er nach Amerika um dort u. a. bei Benny Goodman und Tommy Dorsey zu spielen. Heinz Schönberger, der Nachfolger von Rolf Kühn, blieb sechs Jahre in Berlin, bis ihn 1962 Willy Berking zurück nach Frankfurt zum Hessischen Rundfunk holte. Von 1972 bis 1989 leitete Heinz Schönberger die heutige hr-Big Band. Im RIAS wurde er 1962 durch den Belgier Freddy L’Host ersetzt, der mit seinem außerordentlichen Spiel dem Orchester bis 1973 erhalten blieb.

Arno Flor war Komponist, Arrangeur und Dirigent und er war der erste Gitarrist im 1948 neu gegründeten RIAS-Tanzorchester. Ab 1954 entschied er sich freiberuflich tätig zu werden und den RIAS zu verlassen. Ihm folgten der Musiker  Heinz Cramer und 1989 dessen Sohn Ingo Cramer.

1950 stieß der Bassist Alex Mackowiak zum RIAS-Tanzorchester. Auch in der RIAS-Combo, einer Band in der Band, war sein Spiel „jazzgeprägt“ unter anderem bei den Aufnahmen mit der Sängerin Inge Brandenburg 1960. Der Belgier Jean Warland wurde 1962 Nachfolger von Alex Mackowiak und blieb fünf Jahre, bis es ihn nach Köln zu Kurt Edelhagen und der WDR-Big Band verschlug. Als zweiten Bassisten holte Werner Müller Anfang der 60er Jahre den Berliner Hans-Joachim (Hajo) Lange in sein Ensemble. Ein Musiker mit Gespür für Melodie, Rhythmus und Harmonie. Hajo spielte unter allen Dirigenten des RIAS-Klangkörpers, bis zu seiner Pensionierung 2001. Das Jahr, in dem er nach Vollendung seines 65. Lebensjahres viel zu früh verstarb.

In den 70 Jahren seines Bestehens spielten drei (feste) Schlagzeuger im RIAS-Tanzorchester: der gelernte Paukist Günter Hampel war von Anfang an dabei, er verließ das RTO 1958. Die längste Ära verbindet sich mit dem Namen Heinz Niemeyer. 38 Jahre blieb er dem RIAS bis zu seiner Pensionierung 1996 treu. Im September des Jahres folgte ihm Holger Nell, der zeitweise auch als musikalischer Leiter der Band agierte.

Der klassisch ausgebildete Konzertpianist Erich Werner, der 1946 das Sunshine Quartett gründete, wurde gleich zur Gründung des RIAS-Tanzorchester von Werner Müller engagiert. Ab 1955 widmete er sich verstärkt der Komposition, gründete ein eigenes Orchester und begleitete damit Künstler vornehmend aus dem Schlagerbereich. Günter Schemmler, Meisterschüler von Elly Ney, war von 1955 bis 1961 Pianist im RIAS. Sein Nachfolger wurde Günter Maier (Noris), der spätere Gründer und Leiter der Big Band der Bundeswehr. Eine Position die er seit der Gründung 1971 bis 1983 innehatte. Günter Maier (Noris) war im RIAS-Tanzorchester auch stellvertretender Dirigent und folgte Werner Müller 1967 zum WDR nach Köln. Als neuer Pianist wurde der Rumäne Eugen Cicero engagiert, ein genialer Musiker, der die RIAS-Rhythmusgruppe perfekt ergänzte. 1971 tauschten er und Kai Rautenberg den Arbeitgeber: Cicero ging zu Paul Kuhn und dem SFB-Tanzorchester, Rautenberg verließ den SFB und kam zum RIAS.

Der Berliner Saxophonist Helmut Brandt wurde 1958 Mitglied des RIAS-Tanzorchesters und blieb ihm bis zu seiner Pensionierung 1997 als Musiker, Arrangeur und Komponist treu.

Hanne (Hans Gottfried) Wilfert führte den Trompetensatz im Kurt Edelhagen-Orchester von 1949 bis 1958, dann wechselte er zum RIAS, um dort Werner Windler zu ersetzen, der zum SFB-Tanzorchester ging. 1962 verließ Hanne Wilfert Berlin, um in Köln abermals Mitglied der Edelhagen-Band zu werden. Für ihn kam Horst „Hackl“ Fischer aus Stuttgart. Der High-Note-Spezialist von Erwin Lehn und seinem Südfunk-Tanzorchester, der in einem Atemzug mit Maynard Ferguson und Arturo Sandoval genannt wurde, blieb bis 1966, um dann mit Werner Müller nach Köln zum WDR zu wechseln.

Åke Persson, der schwedische Jazzvirtuose, bereicherte ab 1962 den Posaunensatz im RIAS-Tanzorchester. Ein exzellenter Musiker, der auch bei Quincy Jones, Kurt Edelhagen und der Kenny-Clarke-Francy-Boland-Big Band spielte. 1970 ging auch er zum SFB-Tanzorchester, um dort neben Manfred Großmann, den Åke Persson 1962 im RIAS ablöste, und Slide Hampton zu spielen.

Aus jüngerer Zeit sind unter anderem die Solisten Grégoire Peters (1986-2009), Walter Gauchel (1990-2009) und Till Brönner (1991-1998) zu nennen.

Das Jazzorchester Friedrichshain-Kreuzberg erinnerte in einem Konzert im November 2019 im Ballhaus Berlin an das RIAS-Orchester, indem die jungen Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Christian Fischer, einige der großen Erfolge aus dem reichhaltigen musikalischen Repertoire der letzten Jahrzehnte nachspielten.